VERANSTALTUNGEN DES LANDESFILMDIENST SACHSEN e.V.

28.11.-8.12. Medienwochen "Courage leben - Gegen Rassismus und Antisemitismus"

Seit mehr als 15 Jahren ist die Medienwoche "Courage leben" nicht mehr aus der Bildungs- und Kulturlandschaft Leipzigs wegzudenken. Mit zahlreichen Filmen, Workshops und Lesungen im Tages- und Abendprogramm wird ein breites Spektrum an Möglichkeiten geboten, sich mit demokratiebedrohenden Phänomenen wie Rassismus, Antisemitismus, Nationalismus und anderen Diskriminierungen und Abwertungsreflexen, egal ob von (Neo-) Nazis oder "besorgten Bürgern", ob im persönlichen Umfeld oder im politischen Handeln auseinanderzusetzen. Vom 28. November bis 08. Dezember 2017 bietet der Landesfilmdienst Sachsen für Jugend- und Erwachsenenbildung e.V. allen Interessierten, speziell jedoch Schülerinnen und Schülern erneut dazu eine Plattform. Demokratischer Streit auf Basis der Menschenrechte , politisch-historischer Wissenserwerb oder der gemeinsame Erfahrungsaustausch stehen dabei gleichberechtigt nebeneinander.

Abendveranstaltungen:

6.12. um 19:30 Uhr Vortrag "Antisemitismus im (ost)deutschen Fußball" mit Ralf Fischer

 

Fußballstadien waren immer schon weit mehr als nur Orte, auf denen gekickt, gejubelt und getrauert wird. Im Guten wie im Bösen, ist dort mehr erlaubt, als außerhalb der Stadien gesellschaftlich toleriert wird. Hier dürfen Männer Emotionen und Verhaltensweisen zeigen, die sie andernorts unterdrücken mussten: Sie konnten nach Herzenslust weinen, sich umarmen und küssen, schief und laut singen, sich bunt anziehen und bis zur Lächerlichkeit verkleiden. Der Freiraum Stadion erlaubt aber auch anderes: Hier darf – wie am Stammtisch – geschimpft und gepöbelt werden. Und im Osten der Republik wird davon gerne und ausgiebig Gebrauch gemacht. „Juden Jena“ oder „Juden Berlin“ waren schon zu DDR-Zeiten sehr beliebte Sprechchöre. Laut Bernd Wagner, in der DDR Leiter einer Polizeiabteilung die sich mit dem Phänomen Rechtsextremismus befasste, sammelten sich seit den 60er und 70er Jahren die reaktionärsten Teile der DDR-Gesellschaft in den ostdeutschen Fußballstadien. Das hat sich bis heute kaum geändert.

 

Der Referent berichtet über die Entwicklung des Antisemitismus im Fußball sowie speziell sein Ausdruck im ostdeutschen Milieu. Er fährt selbst seit Mitte der 80er Jahre regelmäßig zum Fußball und schreibt für verschiedene Zeitungen darüber.

7.12. um 20:00 Uhr Interaktive Leseperformance "Wörterbuch des besorgten Bürgers" und andere Texte mit Franziska Reif und Tobias Prüwer

»Von »Asylindustrie« über »Merkeljugend« bis »Volkstod«: In Kreisen besorgter Bürger machen dieser Tage Begriffe die Runde, deren Unsinn nicht selbstverständlich ist. Dieses Wörterbuch kartografiert und kritisiert in 150 Einträgen den sprachlichen Zauber, der weite Teile der politischen Öffentlichkeit erfasst hat und der beharrlich mit stilisierten Ängsten spielt. Konsequent aus einer falschen Opferperspektive werden Tabubrüche inszeniert, um noch so derbe Zumutungen als verkannte Wahrheit zu deklarieren. In der multimedialen Lesung zeigen die Autoren an ausgewählten Begriffen beispielhaft, wie die Besorgensprache funktioniert, skizzieren deren Inszeneirungstategien und zeigen die oft unfreiwillige Komik dahinter auf.

Hier geht es zum kompletten Programm.
Anmeldungen direkt beim Landesfilmdienst Sachsen e.V.